Le Cinéma 2026: Zuhause zwischen hier und anderswo
Bereits seit mehreren Jahren fördert die ODDO BHF Stiftung das internationale Filmbildungsprojekt „Le Cinéma – Cent ans de Jeunesse“ und unterstützt damit die Begegnung junger Menschen aus aller Welt. Vom 8. bis 10. Juni 2026 kamen rund 30 Schulgruppen aus Europa sowie aus Brasilien, Japan und Südafrika in der Caligari Filmbühne Wiesbaden zusammen, um die Ergebnisse ihrer einjährigen gemeinsamen Arbeit zu präsentieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe stand das Thema „Zuhause zwischen hier und anderswo“. Über ein internationales Netzwerk von Partnerschulen setzten sich Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis zwanzig Jahren über viele Monate hinweg mit Fragen von Heimat, Zugehörigkeit, sozialer Herkunft, Identität und gesellschaftlichem Zusammenleben auseinander. Gemeinsam entwickelten sie filmische Arbeiten, die ihre persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Perspektiven auf das Thema sichtbar machen. Entstanden sind Filme voller Kreativität und gesellschaftlicher Relevanz – geprägt von den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Lebenswelten der jungen Menschen.
Doch Le Cinéma ist weit mehr als ein Filmfestival.
Das Projekt vereint zwei Förderbereiche, die für die ODDO BHF Stiftung von besonderer Bedeutung sind: Bildung und Kultur. Beide sind unverzichtbar für eine offene, demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft.
In einer Zeit, in der junge Menschen täglich mit einer Flut von Informationen, Bildern und Meinungen konfrontiert werden, gewinnen kritisches Denken, Medienkompetenz und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel zunehmend an Bedeutung. Genau hier setzt das Projekt an.
Film wird zum Medium der Reflexion. Zum Werkzeug, um Fragen zu stellen. Zum Raum, in dem junge Menschen ihre Sicht auf die Welt ausdrücken und zugleich lernen, die Perspektiven anderer zu verstehen.
Dabei lernen die Teilnehmenden nicht nur filmisches Handwerk. Sie lernen, gemeinsam Ideen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören, zu diskutieren und Kompromisse zu finden. Jeder Film entsteht im Team – und genau darin liegt eine der wichtigsten Erfahrungen des Projekts.
Besonders eindrucksvoll zeigte dies ein Film, der sich mit einer neuen Mitschülerin aus Angola auseinandersetzte. Im Mittelpunkt standen Fragen, die eng mit dem Jahresthema verbunden sind: Wo gehöre ich hin? Was bedeutet Heimat? Und wie entsteht Zugehörigkeit in einer neuen Umgebung? Sensibel behandelte der Film Themen wie Migration, kulturelle Identität, Familiengeschichte und gesellschaftlichen Zusammenhalt und zeigte, wie Begegnung Verständnis schaffen kann.
Begleitet wurden die Filmvorführungen und Diskussionen von renommierten Persönlichkeiten aus Film, Kultur und Bildung. Zu den Gästen zählten unter anderem die französischen Regisseurinnen Claire Simon und Claire Burger, der Filmtheoretiker Alain Bergala, die Künstlerische Direktorin des DFF Christine Kopf sowie Vertreter der französischen Botschaft und des Generalkonsulats. In Gesprächen, Masterclasses und Diskussionen erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Arbeiten mit erfahrenen Filmschaffenden und Kulturverantwortlichen zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Besonders bemerkenswert war dabei, dass die Jugendlichen nicht nur ihre Filme präsentierten, sondern selbst Gespräche mit internationalen Gästen moderierten und ihre Perspektiven aktiv in den Austausch einbrachten.
Die internationale Dimension macht Le Cinéma seit vielen Jahren einzigartig. Was einst als deutsch-französische Initiative begann, verbindet heute junge Menschen weit über Europa hinaus. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Lebensrealitäten treffen aufeinander und werden durch eine gemeinsame kreative Erfahrung verbunden.
Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Polarisierung sind solche Begegnungen von unschätzbarem Wert. Sie schaffen Vertrauen, fördern gegenseitiges Verständnis und stärken die Fähigkeit, Unterschiede nicht als Trennung, sondern als Bereicherung wahrzunehmen.
Mit der Förderung des Projekts unterstützt die ODDO BHF Stiftung die Stärkung von Medienkompetenz, Dialogfähigkeit und internationaler Verständigung junger Menschen.
Das Kino wird dabei zu weit mehr als einem Ort der Vorführung.
Es wird zu einem Raum des Dialogs.
Zu einem Raum der Begegnung.
Und zu einem Raum gemeinsamer Zukunftsgestaltung.
Grußwort Sonja Peichl / Festival Start (Zielgruppe junge Menschen)
Bildergalerie
Die Bilder des Festivals sprechen für sich.











